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Reisestipendien 2014 - Übergabe am 06.06.2014

Sehr geehrte Frau Fox,
liebe Stipendiatinnen und Stipendiaten,
verehrte Gäste,

"Europa" ergibt derzeit ca. 110 Mio. Suchergebnisse im Internet. Ein paar Stichworte zu wirklichem Leben werden zu lassen ist Absicht unseres heutigen Treffens.

Ich bedanke mich im Namen des Vereins und seines Vorsitzenden, Herrn Michael Fröhlich, herzlich bei Ihnen, Frau Fox, und Ihren Mitarbeiter/innen dafür, dass Sie uns den Rahmen für diese kleine Feierstunde geschaffen haben.

Herr Fröhlich musste leider sehr kurzfristig nicht vorhergesehene berufliche Termine wahrnehmen. (Und ich improvisiere hier ein wenig)
Herzliche Grüße soll ich Ihnen von Staatssekretär Loßack übermitteln (der, so hoffe ich, jetzt die neu gewonnenen Lehrerstellen plant).
Grüßen lässt auch der zuständige Referent im MBW, Herr Ronald Westphal, der sich derzeit in dienstlichen Angelegenheiten in Oslo befindet.

"In Vielfalt geeint" - Motto und ein wichtiges Symbol für die Europäische Union.

Europa hat gerade in den letzten Wochen unser öffentliches Leben in besonderem Maße bestimmt. Hinter uns liegt die Wahl zum Europäischen Parlament - seltsame Nachwehen klingen immer noch durch den Kontinent. Personalquerelen, Ausstiegsdrohungen, politische Ohnmachtsanfälle vor wichtigen Entscheidungen, Stilllegung von Menschenrettung durch neue Helikopter-Landeplatzverordnungen usw., usw.

Ist es das, was der frühere Außenminister Hans-Dietrich Genscher meinte, als er sagte:
"Europa ist unsere Chance - eine andere haben wir nicht."?

Ist es das Europa, welches seinen Namen einer phönizischen Königstochter - also einer Ausländerin, einer Zwangsverschleppten - verdankt? Einer Frau, deren Name gemeinhin aber mit den Worten "Die Frau mit der weiten Sicht" (dem Blick in die Zukunft) übersetzt wird.

Ich denke ja.

Am Beginn des Romans "Der Europäische Landbote" beschreibt der österreichische Schriftsteller Robert Menasse die europäische Landkarte:
"Wenn man alle früheren Grenzen mit schwarzen Strichen versehen würde, wäre die Karte Europa fast ganz schwarz. … Und wenn man darüber alle Frontlinien mit roten Strichen markierte, wäre Europa fast komplett rot. Das ist Europas Vergangenheit. Das ist die Welt von gestern, die es zu überwinden gilt."

"Europa ist unser logisches Zukunftsprojekt"
folgert er daraus.

Ihr, liebe Stipendiatinnen und Stipendiaten, seid Teil dieses Zukunftsprojektes. Dafür schon jetzt meinen herzlichsten Dank.

Ihr alle habt durch Euer Engagement bereits bewiesen, dass Ihr willens und fähig seid, diesen Weg mitzugehen. Ihr seid den wichtigsten Schritt gegangen - hinein in die vielfältige Welt. Ihr habt euch nicht nur auf Schilderungen und Sekundärinformationen verlassen, sondern habt erfahren und erlebt, was es heißt, anders zu sein und doch gemeinsame Ziele zu verfolgen. Ihr seid einen Schritt weiter gegangen, als Schule es normalerweise macht. Es hat sicherlich auch Überwindung gekostet, sich nicht nur beobachtend in eine andere Lebenswelt zu bewegen, sondern im Rahmen einer beruflichen Tätigkeit auch den normalen Ansprüchen dieser anderen Lebenswelt zu genügen. Aber ich bin sicher - nahezu alle eure Vorgänger haben das einhellig bestätigt - ihr seid mit Erfahrungen zurückgekommen, die anders nie gemacht worden wären. Nur übereinander reden und vermuten kostet viel Zeit mit unsicheren Ergebnissen.

Miteinander erleben bringt Menschen und Kulturen zusammen. Missverständnisse und Ängste werden vermieden oder zumindest minimiert, wenn man sich in die Augen gesehen hat. Europa muss mit und zwischen den Menschen entstehen. Politik muss diesem Ziel dienen - doch es gibt noch viel zu tun.

"Europa ist unser logisches Zukunftsprojekt" sagte Menasse.

Es hat begonnen - ob es jemals endet, kann keiner sagen. Wichtig ist, alles zu unternehmen, das es vorangeht und zwar so vielfältig wie möglich.

Menasse verweist er auf seinen Landsmann Robert Musil, der die Idee vom Zusammenwirken von Wirklichkeitssinn und Möglichkeitssinn publiziert hat. Es geht darum, auch das zu denken, was ebenso gut sein könnte und - ich zitiere "das, was ist, nicht wichtiger zu nehmen als das, was nicht ist."

Ich jedenfalls lese diese Passage als Appell: Strengt euch an, dass aus Europa etwas Neues wird! Legt euch keine Denkverbote auf! Seid kreativ! Denn die Zeit drängt. Das Alte zerfällt, ein Zurück ins 19. Jahrhundert, in die Welt der europäischen Nationalstaaten, gibt es nicht. Und wenn das Neue nicht entsteht, dann droht Chaos und Niedergang.

Der Anlass für die heutige Veranstaltung gehört als wichtiger Baustein in dieses Projekt.

An dieser Stelle möchte ich Ihnen, liebe Frau Fox, und der Lornsenschule - stellvertretend für alle Europaschulen des Landes - herzlich dafür danken, dass Sie Ihren Schülerinnen und Schülern die Möglichkeiten schaffen, diese Rolle in und für Europa zu spielen.

Der Verein Europaschulen in S-H hat sich seit Jahren dem Ziel verschrieben, junge Menschen zu motivieren, den Weg in die europäische Zukunft zu beschreiten und sie dabei im Rahmen seiner Möglichkeiten zu unterstützen

Michael Fröhlich, Hauptgeschäftsführer des Unternehmerverbandes Nord und Vorsitzender unseres Vereins, hat es aus seiner besonderen Sicht der Zukunft Europas wie folgt formuliert:

"Wir setzen uns besonders dafür ein, dass möglichst viele junge Menschen während ihrer Schul- und Ausbildungszeit die Möglichkeit haben, ein Praktikum oder einen Ausbildungsabschnitt in einem anderen europäischen Land zu absolvieren. Dadurch werden sie in besonderer Weise auf den europäischen Arbeitsmarkt vorbereitet und erwerben zusätzliche interkulturelle Kompetenzen. Es ist ein wichtiger Baustein der Persönlichkeitsentwicklung, sich schon als Schülerin oder Schüler einmal in einem Berufs-, Betriebs- oder Wirtschaftspraktikum im Ausland bewährt zu haben. Wer Auslandserfahrungen im Rahmen eines Praktikums gesammelt hat, wird zudem in der Wirtschaft bei Auswahlverfahren bevorzugt." Ich hoffe, dass eure Erfahrungen in den Praktika und den Gastfamilien euch motivieren, den europäischen Gedanken weiter zu leben und weiter zu tragen. Denn nur mit euch kann Europa das erfolgreiche Zukunftsprojekt sein, dass es meiner festen Überzeugung nach sein muss.

Und auch das alte europäische Parlament hat bereits diesen Gedanken gehabt.

2015 wird das Europäische Jahr für Entwicklung
- "Unsere Welt, unsere Würde, unsere Zukunft"


Ziel ist es, die Bürger über die Entwicklungszusammenarbeit der EU und der Mitgliedstaaten zu informieren, sie einzubeziehen und das Bewusstsein für den Nutzen der Entwicklungszusammenarbeit nicht nur für die Empfänger, sondern auch für die Unionsbürger zu schärfen.

Und auch das lässt hoffen!

Klaus Müller

K O N T A K T

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